Fronleichnam

Geschrieben von Wolfgang Stoffel am .

Der Name leitet sich von dem mittelhochdeutschen Begriff „vrôn lîcham" ab, das bedeutet „Des Herren Leib". Die liturgische Bezeichnung für das Fronleichnamsfest lautet „Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Dieser Ausdruck und der Donnerstag als Feiertag verweisen theologisch auf den Gründonnerstag, denn an diesem Tag gedenken die christlichen Kirchen des letzten Abendmahles Jesu und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie, des Abendmahls. Wegen des besonderen Charakters der Karwoche war am Gründonnerstag – trotz dessen hohen liturgischen Ranges – keine freudige und festlich-feierliche Liturgie möglich. Dies holt das Fronleichnamsfest am Donnerstag nach dem Dreifaltigkleitsfest (Trinitatis) nach.

Geschichte
Das Fest Fronleichnam wurde 1246 erstmals in Lüttich gefeiert. Aus dieser Diözese stammte Papst Urban IV., der es 1264 als allgemeines kirchliches Fest eingeführt hat. 1317 ordnete Johannes XXII. die weltweite Befolgung des Fronleichnamsfestes an und legte den Termin verbindlich fest. Seit 1911 ist örtlich eine Verlegung auf den folgenden Sonntag erlaubt.

Die Einführung des Fronleichnamsfestes soll auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich (gest. 1258) zurückgehen. Bedeutsamer dürfte jedoch gewesen sein, dass Urban IV. mit dem Fronleichnamsfest gegen die als Ketzer bekämpften und besiegten Katharer bzw. Albigenser ein Zeichen setzen wollte: Diese lehnten die Transsubstantiationslehre ab, d.h. die Wandlung der eucharistischen Gestalten von Brot und Wein zu wahrhaft Leib und Blut Jesu Christi, so dass Christus darin real gegenwärtig wird.

Das Konzil von Trient (1545-1563) bestätigte schließlich nicht nur das Fronleichnamsfest, sondern gab ihm auch einen deutlich demonstrativen Charakter gegen Luther und die Reformatoren. Die große liturgische Prachtentfaltung bei den Prozessionen versinnbildlichte diesen herausfordernden Akzent. – Zugleich erhob dieses Konzil die Transsubstantiationslehre zum Dogma.

Fronleichnamsprozession
Anfangs bestand das Fronleichnamsfest nur aus der Feier der Heiligen Messe. Aber bereits 30 Jahre nach seiner Einführung in Lüttich sind Prozessionen bezeugt (u.a. Köln), die sich an den Gottesdienst anschlossen. Diese Prozessionen machen den besonderen (volkstümlichen) Charakter des Fronleichnamsfestes aus. Der Priester zieht mit den Gläubigen betend und singend durch geschmückte Straßenzüge der Pfarrgemeinde. Zwischenstationen bilden meist vier kleinere Altäre (vier Himmelsrichtungen) im Freien, an denen unter anderem aus den vier Evangelien vorgelesen wird. Vor allem in Süddeutschland sind Blumenteppiche aus Blütenteilen vor diesen Altären sehr beliebt, im Rheinland seit dem 19. Jahrhundert. Hintergrund könnte die Vorstellung sein, dass das Allerheiligste die Erde nicht berühren darf, der Priester mit der Monstranz folglich auf einem (Blumen-)Teppich gehen muss.

 

Während der gesamten Prozession trägt der Priester unter einem Tragehimmel, dem Baldachin, die Monstranz. In ihr wird eine geweihte Hostie (Oblate) sichtbar mitgeführt, „das Allerheiligste", weil nach katholischer Auffassung in jeder geweihten Hostie Gott real präsent ist.

Monstranz

                                          

 

Monstranz der Büdericher Pfarrei St. Mauritius; sie wurde an Fronleichnam 1896 von dem Ehepaar J. Schmitz / M.G. Wierichs in Büderich-Niederdonk gestiftet (Gravur im Fuß der Monstranz), nachdem die Mauritiuskirche abgebrannt war und 1893 neu errichtet wurde.

 Bei den Prozessionen gibt es regionale Besonderheiten. So wird in Köln die "Mülheimer Gottestracht", eine Schiffsprozession auf dem Rhein durchgeführt, in manchen Gegenden finden die Prozessionen auch zu Pferde statt.

Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) erfolgte eine Liturgiereform, die Vieles an volkstümlichem Brauchtum zu Fronleichnam aufgab, vor allem auch deshalb, weil die Menschen nur noch schwer Zugang dazu gefunden haben. Die Prozessionen als solche finden aber immer noch statt, auch in Meerbusch, sowohl jährlich in der Pfarrgemeinde St. Mauritius und Heilig Geist in Büderich als auch in der neu gebildeten Pfarrei Hildegundis von Meer, wo die Prozessionen in geraden Jahren in Osterath, in ungeraden in Lank oder den Rheingemeinden durchgeführt werden. Die jährliche Prozessionsstrecke der Pfarrgemeinde Hildegundis von Meer wird im Gemeindebrief veröffentlicht.

Bedeutung, Kritik
Die Fronleichnamsprozession bedeutet nicht nur ein öffentliches Bekenntnis der Katholiken zu ihrem Glauben, sondern wurde seit dem Konzil von Trient auch als gegenreformatorische Machtdemonstration eingesetzt. Man trug die Auseinandersetzung mit dem Protestantismus gleichsam auf die Straße. Martin Luther lehnte das Fest als gotteslästerlich entschieden ab, weil er es für eine Art Reliquienkult hielt, weil es auch für das Sammeln von Ablassgeldern genutzt wurde und weil er Prozessionen grundsätzlich als nicht notwendig empfand.

In nicht rein katholischen Gegenden kam es deshalb immer wieder zu Konflikten um das Fronleichnamsfest, insbesondere im Zusammenhang mit den Prozessionen. Sie wurden häufig als Provokation empfunden – was sie ja auch als kämpferische Demontration der katholischen Frömmigkeit sein sollten. In den USA wird deshalb mancherorts bewusst darauf verzichtet, um keine öffentlichen Auseinandersetzungen mehr heraufzubeschwören. Noch in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hingen manche Evangelischen am Fronleichnamsfest Wäsche auf, manche Katholiken konterten damit am Karfreitag.

Kritik an der Fronleichnamsprozession gab es auch von Seiten der Aufklärung, u.a. am Pomp und dem rücksichtslosen Abholzen von jungen Birken, die als Straßenschmuck benutzt wurden.
Während der NS-Zeit wurde die Fronleichnamsprozession von vielen Katholiken auch als Widerstand gegen die atheistische Weltanschauung der Hitler-Diktatur verstanden.

Die konfessionellen Differenzen sind heute weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden, man respektiert einander, ist nicht interessiert an den unterschiedlichen theologischen Verständnissen von Abendmahl und Eucharistie. So ist es in Osterath schon seit Jahren möglich, dass auch evangelischen Schützen bei der Prozession den „Himmel" tragen.

Katholischerseits sieht man heute in den Prozessionen eher das Symbol des „wandernden Gottesvolkes" und in dessen Mitte Christus als das „Brot des Lebens". (RP-Artikel über Fronleichnam in Büderich 2014). Ein so verstandenes Fronleichnamsfest eröffnet auch Protestanten die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen, ohne allerdings an der Eucharistiefeier teilnehmen zu dürfen.

In Bundesländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung ist Fronleichnam gesetzlicher Feiertag.

Literatur
J-M. Mayeur (Hrsg.), Die Geschichte des Christentums, Freiburg 1996
Karl Rahner (Hrsg.), Kleines Konzilskompendium, Freiburg 1968
Brennpunkte der Kirchengeschichte, Paderborn 1976
Wikipedia
Kathpedia