Langst Kierst

Geschrieben von Ludwig Petry

Geschrieben von  Ludwig Petry
letzte Bearbeitung: 27.01.2015

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Die St.Martin-Kapelle in Kierst prägt das Ortsbild der über 1100 Jahre alten „Rheingemeinde“ Langst-Kierst nach innen und nach außen. Zum unmittelbaren Umfeld gehören das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende älteste Gut und Haupthof „Haus Kierst“ und ein Ehrenmal. Die Kapelle liegt auf einer hochwassersicheren kleinen Anhöhe. Ihr in frischen Farben erstrahlender Turm akzentuiert die flache Niederrhein-Landschaft und ist der Mittelpunkt der Sichtachsen von den Meerbuscher Stadtteilen Lank-Latum, Nierst und Ilverich aus. Die St. Martin-Kapelle gehört zur katholischen Pfarrei Hildegundis von Meer mit der Pfarrkirche St. Stephanus in Lank-Latum.

                                                                                                                                             

St. Martin

Geschrieben von SIEGFRIED SCHARBERT

 St. Martin Eierst St Martin Nierst Foto Mair Grüneklee 

Die aktuellsten Informationen zur Pfarrei "Hildegundis von Meer", zu der die Kirchen und Gemeinden St. Stephanus  in Lank, St. Nikolaus in Osterath, St. Franziskus in Strümp, St. Pankratius in Ossum-Bösinghoven, St. Martin in Langst-Kierst und St. Cyriakus in Nierst gehören, finden Sie hier. 

St. Martin in Kierst kann mit Recht als die erste Kirchengründung im heutigen Meerbusch gelten. Kierst wird erstmals als Kirihsexta in einer spätkarolingischen Urkunde von 904 erwähnt. Demnach besaß das um das Jahr 700 in Kaiserswerth vom hl. Suitbertus gegründete Benediktinerkloster auch linksrheinisch drei sogen. cellulae und zwar nach der erstgenannten in Kierst zwei weitere in Ilverich (Elfriche) und Gellep (Geldapa). Ihre Bedeutung geht über den wörtlichen Begriff von (kleinen) „Klosterzellen" hinaus; sie werden als Außenstationen, Niederlassungen, Unterkirchen und Wirtschaftshöfe der Abtei interpretiert, die von einem oder mehreren Mönchen geleitet und zu deren eigenem Unterhalt bewirtschaftet wurden. Gemäß der benediktinischen Ordensregel ora et labora gehörte dazu – in welcher Gestalt auch immer – mit Sicherheit eine Kapelle.

Während die Siedlungen Elfriche und Geldapa (jedoch nicht die Standorte der dortigen cellulae) eindeutig zu lokalisieren sind, ist das für Kirihsexta nur über eine spätere Schreibweise bzw. Übersetzung möglich: als Kirchen-Seist, woraus schließlich Kierst wurde. Als „Seist" wurden größere Flussinseln bezeichnet, die der ungezähmte Rheinstrom gebildet hat. Nach Georg Buscher bedeutet Seist oder Seest Sitz, Besitz, Eigentum, Ansiedlung. Jedenfalls wird Langst sprachlich auf Langen-Seist und Nierst auf Nieder-Seist zurückgeführt. Dass die höchstgelegene Insel oder Siedlung früh eine Kirche hatte, geht also hier aus ihrem Namen hervor. Nach Christoph Reichmann kann der Ursprung der Kierster Kirche sogar bis in das 6. Jahrhundert zurückreichen. Das hieße, dass die Kaiserswerther Benediktiner ihre Klosterhöfe an schon vorhandene Kapellen ansiedelten, die die bereits christianisierten fränkischen Grundherrschaften als (private) Eigenkirchen auf ihrem Areal er- oder eingerichtet hatten. Für Kierst kommt hier wohl nur das Haus Kierst in Frage, das das älteste Gut und der Haupthof von Kierst war und auch mit der heutigen Kirche benachbart ist.

Für einen sehr frühen Ursprung der Kierster Kirche spricht auch ihr Martin-Patrozinium. Als fränkischer Nationalheiliger ist der heilige Bischof und Bekenner (+397) vielfach bei merowingerzeitlichen Kirchengründungen belegt, zum Teil anstelle römisch-heidnischer Heiligtümer.


Die erste Steinkirche, im 12. Jahrhundert im romanischen Stil gebaut, befand sich am Standort des jetzigen Gotteshauses, zunächst als einschiffiger Saalbau aus – später verputzten – großen Tuffsteinen, mit Satteldach und Dachreiter (Glockentürmchen). Im 15. Jahrhundert wurde dem Langhaus nach Osten ein gotisches, ebenfalls innen flachgedecktes Chor angefügt und im 19. Jahrhundert am Eingang eine unbedeutende Vorhalle. (Nur von ihr ist ein Foto erhalten. Neben Beschreibungen von Paul Clemen und Gisbert Erkens liegen von letzterem auch Bauaufnahmezeichnungen vor.) Eine Zeitlang fanden um die Kirche – wie auch in Nierst – Bestattungen statt. Ansonsten lagen die Pfarrrechte seit Jahrhunderten bei der Hauptkirche St. Stephanus in Lank. Seit 1. Januar 2010 ist die Vikarie eine der sechs Gemeinden in der neuen Großpfarre Hildegundis von Meer.

Um 1900 war die Kapelle für die 340 Einwohner von Langst und Kierst nicht nur zu klein, sondern auch baufällig geworden, so dass ein vollständiger Ersatzbau unausweichlich wurde. Den Auftrag erhielt 1909 der renommierte Düsseldorfer Kirchenbaumeister Prof. Josef Kleesattel, der mindestens jährlich eine größere, meist wehrhafte neuromanische Kirche entwarf, so z.B. im selben Jahr St. Antonius in Oberkassel. Am 5. Februar 1911 wurde die neue Kirche vom Krefelder Dechanten Flecken geweiht, aber erst am 26. Mai 1924 vom Kölner Weihbischof Joseph Hammels kanonisch konsekriert. Die Langst-Kierster feiern aber im Jahre 2011 das 100. Kirchweihfest, nachdem ihre Kirche 2008 für 170.000 € gründlichst saniert und der ocker-gelbe Anstrich erneuert wurde, so dass sie wieder über das Dorf hinaus nach allen Seiten in die niederrheinische Landschaft strahlt. Als Hochzeits- und Taufkapelle ist sie weiterhin auch bei Ortsfremden beliebt. Beim Festgottesdienst am 21. März 2009 anlässlich der abgeschlossenen Renovierung sang die Gemeinde stolz als Schlusslied "op Keeschter Platt" (nach der Melodie "Ein Haus voll Glorie schauet..."): E präschtsch Huus deet kieke / wiit överm Dörp eruut ,/ möt nix kannste't verjliike / et es os Herrjotts Huus...

Im Juni 2011 feierte die Kirche St. Martin das 100-jährige Bestehen des Kirchneubaus mit einer Messe und dem Umzug der Schützenbruderschaft durch den Ort.

Link: zur Pfarrei "Hildegundis von Meer" und ihren Kirchen und Gemeinden

Link: Fenster der kath. Kirche St. Martin in Kierst

Link:  zur Homepage der  Ev. Kirchengemeinde Lank

Link: zur betreffenden Seite in der Denkmalgalerie.

Literatur:

Regenbrecht, Michael (hrsg. im Auftrag des Heimatkreises Lank e.V.), 1100 Jahre Langst-Kierst und Ilverich, 904 - 2004, Meerbusch 2004

 

Kunst & Kultur in der St. Martin-Kirche

Geschrieben von SIEGFRIED SCHARBERT

Kapelle St. Martin in Kierst

Der 17 m lange und 9 m breite einschiffige überwölbte Ziegelbau war bis 1980 nur grau verputzt. Er hat ein sogen. Krüppelwalmdach. Der angebaute quadratische fünfgeschossige Glockenturm steht an der Nordwestecke und endet an der Ost- und Westseite im spitzen Giebel unter einem Satteldach. Die geostete polygonale Apsis ist innen durch einen rundbogigen Triumphbogen und drei Stufen vom Schiff getrennt. Südlich der Apsis ist die Sakristei angefügt. An der Eingangsfront, der stilvoll gegliederten Westfassade, sind die Portale und Fenster mit verziertem Natursandstein gefasst. Die beiden Türen und die Sakristeitür sind fast ganz mit dekorativen Beschlägen versehen.


 

 Ursprünglich hatte die Kirche drei Glocken, die aber jeweils nach den beiden Weltkriegen ersetzt werden mussten. Jetzt sind nur noch zwei vorhanden. Die erste Orgel lieferte in den 1930er Jahren die Kaiserswerther Firma Fabritius; die jetzige ist von Karl Bach/Aachen.

Die Innenausstattung ist inzwischen spärlicher geworden, hauptsächlich infolge der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils, aber auch aus gewandelten Geschmacksgründen. Von der 1920 von dem Krefelder Kirchenmaler Heil geschaffene komplette Ausmalung wurde – abgesehen von einem gefälligen Deckenornament über der Orgelbühne – im Rahmen der großen Renovierung Anfang der 80er Jahre unter dem Pfarrrektor Konrad Mohr nur die Darstellung des Jüngsten Gerichts in den Kappen des Chorgewölbes restauriert: in der Mitte Christus als Weltenrichter, links und rechts Maria und Johannes der Täufer, außen zwei Engel mit Posaunen (s. Link zu den Kirchenfenstern).

Die zehn Buntfenster  hat der Krefelder Glasmaler Josef Strater entworfen. Die Werkstatt Derix in Kaiserswerth hat die Entwürfe ausgeführt: 1946/47 die sieben Seitenfenster, welche ornamental die Sakramente symbolisieren, sowie 1953 die drei Chorfenster, die (von links) die Heiligen Bonifatius, Martinus und Stephanus darstellen. 


Von den mobilen Kunst- und Kultgegenständen scheint nur die dem Barock zugeordnete Holzfigur des Kirchenpatrons ( St. Martin bei der Mantelteilung) aus der alten Kirche erhalten zu sein. Über die Qualität und den Verbleib weiterer in der Vorgängerkapelle befindlichen Statuen der hl. Katharina und der hl. Magdalena, 1855 von den Geschw. Sassen von Haus Kierst gestiftet, sowie von zwei Ölgemälden ist nichts mehr bekannt.

Erwähnenswert sind noch zwei Reliefs, die heute an der Chorwand angebracht sind und Christi Geburt und Auferstehung veranschaulichen. Eventuell sind die ähnlich gestalteten 14 Kreuzwegstationen im Kern noch diejenigen, die der Franziskaner Pantaleon Freibitter (Düsseldorf) für die Ersteinrichtung 1911 schuf.

Andere Zeugnisse aus der historistischen Epoche, darunter großzügige Stiftungen, wie der Hochaltar, die Kanzel (links des Triumphbogens) und die Kommunionbank wurden beseitigt. So wich der im typischen Stil der Schreinergotik 1911 geschaffene Hochaltar, dessen hohe Retabel (Aufsatz) sogar das Gesims unter den Chorfenstern überragte, einem einfachen Altartisch. Das Tabernakel wurde – neu umrahmt – in die Chorwand eingemauert. Von den drei Mosaiken der Kommunionbank wurde eines, die Emmaus-Szene, in die Predella des neuen Altares übernommen. Dessen Verkleidung, den Ambo, die Kerzenleuchter und Sitze im Chor, Umrahmungen und weitere Holzarbeiten schuf und spendete der Kunstschreiner Johannes Toups. Von zwei Beichtstühlen ist einer heute im Turm untergebracht. Erwähnenswert ist noch das hölzerne Hängekreuz, deren Alter und Herkunft ebenfalls nicht zu erfahren waren.


Im Rahmen der Generalüberholung 2008/09 wurde der Vorplatz mit dem Ehrenmal von der St. Martinus  Schützenbruderschaft von 1858 anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens neu gestaltet. Das 1958 aus Sandstein gehauene ca.2 m große Kriegerdenkmal hat die Inschrift: „Den Toten der großen Kriege zum Gedenken".

Das Engagement der St. Martinus Schützenbruderschaft im religiösen Brauchtum zeigt sich auch abseits des Kirchplatzes.  Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kirche im Jahre 2011 stiftete die Bruderschaft ein Wegekreuz  und ließ es am sanierten und erweiterten Rheindamm aufstellen. Der Schutz des Ortes gegen Hochwasser wird unter Gottes Segen gestellt.

Link: zur Homepage der Kath. Pfarrei Hildegundis von Meer

Link: zu den Fenstern von St. Martin

Link: zur Ev. Kirchengemeinde in Lank

Link:  zur Denkmalgalerie

Literatur: 

Regenbrecht, Michael (hrsg. im Auftrag des Heimatkreises Lank e.V.):  1100 Jahre Langst-Kierst und Ilverich. 904 – 2004, Meerbusch 2004.

Radmacher, Franz-Josef:  Die Kierster St. Martinus-Kapelle besteht 75 Jahre, in: Meerbuscher Geschichtshefte. Beiträge zur Geschichte und Volkskunde der Stadt Meerbusch und ihrer ehemals selbständigen Gemeinden, Heft 3 (1986), S. 28-34.

Buscher, Georg: Geschichte der niederrheinischen Pfarre Lank, unveröffentl. Typoskript, o.O. [1947], S. 181-201;

Handbuch des Bistums Aachen, Aachen 1994, S.1008 f.

Klütsch, Margot: Meerbuscher Kunstwege. Kunstwerke und Denkmäler im Stadtbild. Düsseldorf 2010, S. 128 (Kriegerdenkmal).

Werner, Johannes: Die Kirchenfenster von St. Martin in Langst-Kierst, in: Lanker Heimatblätter, Jg. 44/2017, S. 55 ff.

Mündliche Auskünfte von Johannes Toups und Ludwig Hage-Hülsmann

 


....und so sehen Künstlerinnen und Künstler die Kirche

 

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Helga Ebner (Aquarell)                              Ilse Petry-Ambrosius (Aquarell)

 

3. St. Martin Langst Kierst fü

      Ilse Petry-Ambrosius (Radierung)