Passions- und Fastenzeit

Geschrieben von Falk Neefken am .

Geschrieben von Falk Neefken
letzte Bearbeitung:31.01.2018

 Passions- und Fastenzeit

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei." So singen die Karnevalisten, und in der Tat: Die Karnevalszeit endet, eine vierzigtägige Passions- oder Fastenzeit beginnt.

Seit dem 4. Jahrhundert ist im Christentum eine 40 Tage währende Vorbereitungszeit auf das Osterfest bezeugt. Während dieser Zeit bereiteten sich in Rom Büßer auf die Wiederaufnahme in die Gemeinde vor, die am Gründonnerstag erfolgte. Im Laufe der Zeit verlor sich jedoch der Bußcharakter, die inhaltliche Aussage verlagerte sich auf ein Fasten. Aber da man an Sonntagen nicht fastete, wurden der Karfreitag und der Karsamstag mit in die Fastenzeit einbezogen – das ergab dann genau 40 Fastentage in sieben Wochen.

Der Name Aschermittwoch, das ist der Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern, verweist auf die Bußpraxis der alten Kirche. Die Büßer legten ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut (in Sack und Asche gehen). Asche ist seit altersher ein Zeichen der Buße und der Umkehr. Der Brauch hat sich heute weitgehend nur noch in der Katholischen Kirche gehalten, wo die Gläubigen im Gottesdienst mit einem Aschekreuz auf der Stirn durch den Priester gezeichnet werden.

In der evangelischen Kirche

heißt die österliche Vorbereitungszeit seit 1978 generell Passionszeit. Nicht ein Fasten, das als Zeichen der Werkgerechtigkeit abgelehnt wurde, ist bestimmend, sondern die Besinnung auf den Leidensweg und den Tod Jesu aus Nazareth. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen war bis vor wenigen Jahren noch ein gängiges Passionslied, das in den wöchentlichen Passionsandachten gesungen wurde und in dem das Leiden und Sterben Jesu in eine enge Beziehung zur individuellen Sünde ( = Schuld) der Gläubigen gesehen und bekannt wurde: Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.

In den letzten Jahren allerdings ist innerhalb des Protestantismus ein Streit darüber entstanden, ob die dahinter stehende Vorstellung, Gott opfert seinen Sohn für die Sünden der Menschen zu deren Heil, allein mögliches Interpretament des Todes Jesu ist. Immer weniger Menschen sagt diese Sühne- oder Opfertheologie noch etwas, die Akzeptanz der Passionsandachten schwindet.

Werden in den Kirchengemeinden immer weniger Passionsandachten gehalten, so ist die Nachfrage - auch unter kirchlich weniger gebundenen Menschen - nach z. B. den großen Passionsmusiken von Johann Sebastian Bach (Matthäus- und Johannespassion) ungebrochen. Sie kommen nicht nur in Kirchen, sondern auch in Konzertsälen (z.B. in der Tonhalle Düsseldorf) zur Aufführung.

Eines der bedeutendsten kirchenmusikalischen Werke zur Passionszeit ist die "Matthäus-Passion" von Johann Sebastian Bach. Die Geschichte ihrer religiösen und politischen Wahrnehmung zeigt allerdings eine deutliche Affinität zum Antijudaismus, so Prof. Dr. Johann Michael Schmidt, Meerbusch, in seinem umfangreichen Werk "Die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach" (Berlin 2013).

Seit den 80er Jahren wird versucht, Evangelische dazu zu bewegen, die Passionszeit wieder bewusster zu gestalten. Unter Rückgriff auf das altkirchliche Festen wurde die „Aktion Sieben Wochen Ohne" ins Leben gerufen, an der sich heute mehr als drei Millionen Menschen beteiligen. Geschätzt verzichten etwa 11 Millionen Menschen, quer durch alle Konfessionen, in diesen sieben Wochen auf bestimmte Genussmittel und Alltagsgewohnheiten.  Im Jahr 2016 lautet das Thema der Aktion "Großes Herz! - Sieben  Wochen ohne Enge". In der Kirchengemeinde Lank trifft sich hierzu mittwochs eine Teilnehmendengruppe. Man kann Fasten erleben und miteinander ins Gespräch kommen (10.02./ 17.02. / 24.32. / 02.03./ 16.03./ 23.03, jeweils von 20.00 bis 21.30 Uhr in der Kreuzkirche).

Neben dem persönlichen Verzicht wird für viele auch Solidarität mit Benachteiligten gezeigt; die „Aktion Brot für die Welt" hat in dieser Zeit einen Sammlungsschwerpunkt. Ähnlich der katholischen Aktion Misereor gibt auch Brot für die Welt in den letzten Jahren sog. Hunger- oder Fastentücher (s.u.) heraus. Die Aktion greift damit einen mittelalterlichen Brauch auf, der mit der Reformation in den evangelisvchen Gebieten weitgehend eingestellt wurde. Denn: Martin Luther hatte die bunten Tücher, mit denen in der Passionszeit die Altäre verhängt wurden, als" Gaukelwerk" klassifiziert, eine Einschätzung, die heute so generell im protestantischen Raum nicht mehr geteilt wird. Eines der besterhaltenen mittelalterlichen Hungertücher befindet sich in Zittau.

In der Katholischen Kirche

heißt die Fastenzeit offiziell Österliche Bußzeit. In ihr bereitet man sich auf das Osterfest vor. Innere Einkehr, Bußhandlungen und natürlich Fasten zielen auf ein sich Bewusstmachen der Zusagen Gottes in der Taufe; die Teilnahme an der Kommunionsfeier im Osternachtgottesdienst wird gleichsam als eine Art Antwort des Gläubigen auf Gottes vergebende Liebe gedeutet.

Fasten an Karfreitag und Karsamstag bis zur Teilnahme am Osternachtgottesdienst gilt nicht als Bußübung, sondern als ein Trauern zum Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu. Am Niederrhein hieß es dazu, der Verzicht auf Fleisch und Sinnesgenüsse diene dazu, den Leiden Jesu am eigenen Leibe nachzuspüren.

Der kirchlichen Lehre entsprechend müssen alle 14- bis 60-jährigen Katholiken am Aschermittwoch und am Karfreitag abstinent leben. Alter kirchlicher Tradition entsprechend soll in der Fastenzeit auf den Verzehr von Fleisch verzichtet werden. Es gibt aber auch andere Formen des Verzichts, zum Beispiel auf Genussmittel.

Weiterhin soll verstärkt das Gebet gepflegt werden und intensiver an Gottesdiensten und Kreuzwegandachten teilgenommen und der Nächsten durch Spenden gedacht werden. 

In vielen katholischen Kichen wird während der Fastenzeit das Kreuz oder das Altarbild mit einem Hungertuch verhüllt. Absicht ist, durch Entzug des Blicks auf die symbolischen Darstellungen der Heilsgeschichte die Sehnsucht nach den Gnadengaben wieder zu wecken. Seit altersher sind Hungertücher mit Bildern oder Symbolen der Leidens Christi gestaltet. 1976 griff die Aktion Misereor diese Tradition auf . Künstler aus der Dritten Welt  gestalten jährlich Hungertücher und stellen das Leid Jesu in Bezug zu Entrechtung, Benachteiligung und Hunger in ihren Ländern. Kirchengemeinden und Einzelpersonen können diese Hungertücher und entsprechende Drucke, ergänzt durch Meditationstexte, erwerben und in Gottesdienst, Unterricht und privat nutzen.

 Ökumene

Seit den 70er Jahren veranstalten die Evangelische Jugend und die Katholische Jugend Ökumenische Jugendkreuzwege, die hin und wieder auch in den Meerbuscher Gemeinden aufgegriffen wurden.

 

Literatur:

Evangelisches Gottesdienstbuch, 2000
Burkhard Weitz, So ist das Hungertuch zerrissen, in: Chrismon 03.2014